Freitag 14. Dezember 2018

Elternbildung - quo vadis?

 

Katja Ratheiser, Verantwortliche für Elternbildung im Katholischen Bildungswerk Wien beschäftigt sich mit der Frage wie die Zukunft der Elternbildung ausschaut – und findet durchaus überraschende Antworten:

 

Elternbildung  - Quo vadis?

 

„Lichtbilder und Filme, Tonbänder und Schallplatten werden auch in der Elternbildung eingesetzt. Zu wenig Beachtung findet die mancherorts erprobte Möglichkeit, einen Kurzfilm oder ähnliches als `Initialzündung für eine Diskussion zu verwenden“.

 

Erstaunlich aktuell liest sich das „Handbuch der Elternbildung“ aus dem Jahr 1966, wenn man Filme durch YouTube Videos und Schallplatten durch CDs ersetzt. Auch an der Situation der Eltern hat sich nicht so viel geändert: „Eltern wollen zwei Dinge nicht: sich

anmerken lassen, dass sie Hilfe brauchen, und sich eröffnen lassen, dass sie

etwas falsch gemacht haben.“

 

Letzteres ist eine unbegründete Besorgnis, denn richtig verstandene Elternbildung belehrt nicht und bessert nicht aus. Sie erweitert das Spektrum der Handlungsmöglichkeiten, indem sie zu Perspektivenwechsel und Austausch anregt.

Dazu verpflichten sich ElternbildnerInnen, die fürs KBW Wien tätig werden, sogar

schriftlich.

 

Und wohin entwickelt sich die Elternbildung? Aus den Besucherzahlen lässt sich

schließen, dass es Eltern aktuell sehr wichtig ist, ihre Kinder ausgestattet mit

sozialen Fähigkeiten und seelischer Widerstandskraft (Resilienz) an den Start

des eigenständigen Lebenswegs zu schicken. Dahinter steht das Bewusstsein,

dass viele Sicherheiten von früher überholt sind und dass Flexibilität, rasche Aufnahmefähigkeit und gute Kommunikation die Zukunft bewältigbar machen.

An Bedeutung gewinnt in diesem Zusammenhang auch die Frage nach dem

Sinn. Ein Mensch, der in dem, was er tut, einen Sinn sieht, ist motivierter und

zufriedener. Doch auch der Sinn im Leben ist nichts Starres, Unabänderliches. Er

hängt von der Situation ab und ist manchmal nicht auf den ersten Blick erkennbar. Eltern können ein Lied davon singen: Kinder durchlaufen Entwicklungsphasen in teilweise atemberaubendem Tempo. Sie dabei gut zu begleiten, heißt, sich ständig als den/die Gefragte/n zu sehen: Was ist jetzt das Sinnvolle?

 

Die Elternbildung der Zukunft wird sich wie bisher mit Antworten zurückhalten.

Sie wird weiterhin Handlungsmöglichkeiten aufzeigen und über die neuesten Erkenntnisse verschiedenster Wissenschaften (Psychologie, Pädagogik,

Hirnforschung, Kommunikationstheorie, ...) informieren. Sie wird dadurch auch die kommenden Elterngenerationen mit dem nötigen Handwerkszeug ausstatten, ihrer

Aufgabe sinn-voll gerecht zu werden.

 

Lichtbilder und Schallplatten mögen im Archiv verschwinden, die großen Fragen

rund ums Familienleben tun es nicht.

 

Mag. Katja Ratheiser, MAS, Verantwortliche für den Bereich Elternbildung im Katholischen Bildungswerk Wien

 

 

Zitate: Hardegger, Joseph Anton: Hand-

buch der Elternbildung (Band 1). Einsie-

deln/Zürich/Köln: Benziger Verlag,

1966; S. 105 bzw. S. 126.

 

 

Aus: BildungsWerk-zeug 1/2018 Katholisches Bildungswerk Wien

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Darstellung:
http://www.elternbildung.or.at/